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2005-02: Keine Entwarnung trotz sinkender Unfallzahlen Drucken E-Mail
Noch nie gab es im Straßenverkehr so wenig Unfalltote wie 2004. Die Zeitschrift "mobilogisch!" befragte daraufhin namhafte Verkehrssicherheitsexperten zu den Gründen für diese erfreuliche Entwicklung. Keine Entwarnung trotz niedriger Unfallzahlen

Noch nie gab es im Straßenverkehr so wenig Unfalltote wie 2004. Die Zeitschrift "mobilogisch!" befragte daraufhin namhafte Verkehrssicherheitsexperten zu den Gründen für diese erfreuliche Entwicklung.

Allgemein wird von den Experten auf die unzureichende Datenbasis verwiesen, die eine korrekte Einschätzung behindert. Dazu gehört nicht nur die hohe Dunkelziffer; so wird z.B. nur jeder vierte Unfall von Kindern statistisch erfasst. Abnehmende absolute Unfallzahlen sagen nichts über abnehmende Risiken. Risiken müssen in Beziehung zu risikorelevanten Basiszahlen ermittelt werden, also z.B. tödliche Fußgängerunfälle je 1.000 Fußgänger oder Kinderunfälle je 1.000 Kindern. Noch besser wäre es, die Aufenthaltszeit im Straßenverkehr als Bezugsgröße zu nehmen. Computer spielende Kinder können zwar Schaden nehmen, allerdings nicht durch den Zusammenstoß mit einem Auto.

Da die Zahl der Gesamtunfälle kaum gesunken ist, kann eine allgemeine Änderung des Verhaltens der Autofahrer ausgeschlossen werden. Es wird von vielen Experten angenommen, dass Airbags und andere technische Einrichtungen die Folgen von Unfällen für die Autoinsassen mindern und die Statistiken unrealistischerweise schönen. Dagegen sei z.B. unklar, ob auch Radfahrer und Fußgänger von dieser Entwicklung profitiert hätten.

Die niedrigen Todesraten lassen sich auch auf das verbesserte Rettungswesen und eine gute Intensivmedizin zurückführen. Die gesunkene Anzahl der Schwerverletzten geht u.a. auch auf den Trend zurück, dass viele Verletzte ambulant behandelt und nicht mehr stationär aufgenommen werden (so werden "Schwerverletzte" definiert).

Das aktuelle Sicherheitsprogramm der Bundesregierung kann im besten Fall nur ein Baustein unter anderen bei der Senkung der Unfallzahlen sein. Vor drei Jahren verabschiedet, listet es kaum Neuheiten auf, oft werden bereits laufende Projekte aufgezählt. Nur ein Experte erwähnte das Programm überhaupt.

Der Durchbruch bei der Verkehrssicherheit, so die durchgehende Meinung der Sicherheitsexperten, ist mit den Unfallzahlen von 2004 noch nicht geschafft. Vergleicht man die veröffentlichten Unfallzahlen aus Deutschland mit denen von ehrgeizigeren Nachbarn, zeigt sich wie relativ die Erfolge hier zu Lande sind. Es gibt keinen Anlass, weit reichendere Forderungen zu den Akten und die Hände in den Schoß zu legen.

Befragte Sicherheitsexperten:

Bernd Herzog-Schlagk, Geschäftsführer FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland

Wilhelm Hörmann, Verkehrsreferent des ADFC

Prof. Dr.-Ing. Volker Meewes, Leiter des Verkehrstechnischen Instituts der Deutschen Versicherer

Maria Limbourg, Professorin für Erziehungswissenschaften, Schwerpunkte "Mobilität" und "Verkehr", Uni Essen

Prof. Heiner Monheim, Universität Trier, Fachbereich Angewandte Geographie

Daniel Rölle, Institut Wohnen und Umwelt Darmstadt, Schwerpunkt "Mobilitätsforschung"

Albert Schmidt, MdB, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Markus Schmidt, Verkehrsrechtsexperte, Autor "Eingebaute Vorfahrt"

Dr. Ingeborg Vorndran, Statistisches Bundesamt, Referatsleiterin Verkehrsunfallstatistiken

Dr. Rainer Wiebusch-Wothge, Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl Verkehrswesen
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